Katzenerziehung: Anleitung zum Clickern mit Katzen

Es hält sich hartnäckig das Gerücht, man könne Katzen nicht erziehen – sie hätten einen eigenen Kopf und machen daher, was sie wollen. Das ist natürlich Humbug. Selbstverständlich lassen sich Katzen erziehen, wenn man die richtige Erziehungsmethode anwendet. Und normalerweise braucht es dafür nicht mehr als einen Klicker und ein paar Leckerli.

Ich habe einmal in einer australischen Jugendherberge einen Tiertrainer getroffen, der etwas aus dem Nähkästchen geplaudert hat. Laut seiner Aussage kann man die meisten Tiere, die regelmäßig essen, relativ leicht erziehen. Nur bei Tieren, die nur alle paar Tage mal etwas fressen, wie z. B. Schlangen, sei es etwas schwieriger.

Warum sollte man seine Katzen erziehen?

Ich habe durchaus schon einige negative Reaktionen auf den Vorschlag hin erlebt, einem Tier mit Klickertraining etwas beizubringen. Das sei ja nicht natürlich und das Tier sei kein Zirkustier und das wäre außerdem überhaupt nicht artgerecht. Ich sehe das anders.

Clickertraining ist im Prinzip nicht mehr als ein Spiel für die Katze, und dazu bringt es einige Vorteile: Einerseits verstärkt das Clickertraining die Bindung zwischen Mensch und Tier, die dabei gemeinsam an einer Sache arbeiten. Die Katze selbst genießt angeblich die Abwechslung und freut sich über die positive Verstärkung, wenn sie etwas richtig macht.

Außerdem kann man neben Tricks wie „High Five“ oder „Sitz“ der Katze auch praktische andere Dinge beibringen wie das Hinsetzen auf einen bestimmten Fleck, wenn man mal wissen muss, wo die Katze ist, oder das Legen in den Tragekorb, wenn man die Katze mal aus dem Haus schaffen muss.

Clicker für Katzen
Klick!

Auch kann man seiner Katze mit Klickertraining schlechtes Verhalten abtrainieren. So ist es uns gelungen, unserem Kater, der uns ständig in die Wohnung gepinkelt hat, sein unreines Verhalten abzugewöhnen – ein erstaunliches Ergebnis für eine so einfache und günstige Technik!

Was man benötigt

Im Prinzip braucht man zum Clickern mit Katzen nur einen Clicker und ein paar Leckerli, bzw. eine Belohnung. Clicker für Katzen gibt es günstig bei Amazon (Partnerlink) oder im Haustierladen, aber wer sofort anfangen will, kann auch ein anderes Gerät verwenden, das ein erkennbares Geräusch macht, das man nicht ständig hört – ein knackender Dosendeckel, eine Pfeife, ein Ton auf dem Handy. Selbst das Schnalzen mit der Zunge kann den Clicker ersetzen.

Das Praktische am Clicker ist einfach, dass man ihn leicht in der Hand halten und schnell und relativ präzise damit clickern kann. Wir haben damals die Katzen Clicker-Box (Partnerlink) gekauft, die wir im Haustierladen gesehen haben:

Katzen Clicker-Box*
Clickertraining ist eine tolle Möglichkeit, mit der Katze präzise und ohne Missverständnisse zu kommunizieren und neue Verhaltensweisen zu trainieren.

Der Clicker in der Box ist ein völlig ausreichendes Plastikding, und dazu gibt es ein kleines Buch und Karteikarten, die einerseits die Prinzipien hinter dem Klickern erklären und andererseits Tipps zum Clickertraining geben sowie Anregungen, was für Tricks man der Katze beibringen kann und wie man das am besten macht. Kompliziertere Tricks haben oft mehrere Komponenten, da weiß man nicht unbedingt, wie man am besten damit anfängt, so finde ich diese Karten durchaus hilfreich.

Clicker Box
Die Katzen-Clicker-Box kommt mit Begleitbuch, Karteikarten und Clicker.

Zu den Leckerli: Wer Klickertraining in den Alltag seiner Katze integriert, sollte berücksichtigen, dass sie durch die vielen Leckerli eventuell nicht mehr so viel Nassfutter bzw. anderes Futter zur Fütterungszeit bekommen darf, damit sie nicht zunimmt. Verträgt die Katze kein Trockenfutter, kann man natürlich auch mit anderem Futter arbeiten, ob mit Paste oder einem kleinen Löffelchen Nassfutter spielt eigentlich nur in der Bequemlichkeit der Anwendung eine Rolle.

Das Prinzip

Das Prinzip ist einfach: Man belohnt die Katze, wenn sie etwas richtig macht und „verknüpft“ den Trick dann mit einem Wort oder einer Geste. Der Clicker hat dabei die Funktion, sofort anzuzeigen, wenn etwas richtig gemacht wurde, denn bis man sein Leckerli hervorgekramt hat und die Katze belohnt hat, kann einige Zeit vergehen, sodass die Katze eventuell nicht versteht, wofür sie jetzt eigentlich belohnt wurde. Der Klick ist zeitnah – so weiß die Katze, sie hat etwas richtig gemacht, die Belohnung kommt gleich.

Auf den Clicker konditionieren

Als Allererstes muss man also die Katze auf den Klicker konditionieren. Konditionierung ist ein simples und äußerst effektives Mittelchen – das weiß wahrscheinlich jeder, der regelmäßig von einer Tür oder, wie ich, vom Garagentor einen Elektroschock kriegt und dann irgendwann gar nicht mehr hinlagen will. So ähnlich ist es mit den Katzen auch, nur dass wir sie für ihre Verhalten belohnen und sie können dann quasi selbst entscheiden, ob sie es machen oder nicht.

Man fängt damit an, dass man die Aufmerksamkeit seiner Katze auf sich zieht und mit Clicker und Leckerli in der Hand beginnt, zu Clickern und dann ein Leckerli zu geben. Also: Clicken, danach das Leckerli zeigen und der Katze geben. Meist dauert es gar nicht lang, bis das Clickern mit den Leckerli in Verbindung gebracht wird – 10-mal wird hier in den meisten Fällen wohl reichen.

Clickern mit zwei Katzen

Wer zwei Katzen hat und mit ihnen Clickertraining machen will, kann zumindest die Konditionierung mit den Katzen einzeln durchführen. Ich habe auch schon gelesen, dass man das ganze Training der Katzen jeweils einzeln machen soll. Bei Wohnungskatern ist es etwas schwierig, denn den Klicker hört man durch die Tür. Beschäftigt man sich dann mit einer Katze, sitzt die andere nach meiner Erfahrung miauend vor der Tür.


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Ich habe allerdings schon das Gefühl, dass meine Kater im Prinzip wissen, welcher von beiden gerade angesprochen ist – also Clickertraining mit zwei Katern gleichzeitig ist durchaus möglich. Ich sage immer den Namen der Katze vor dem Befehl, vielleicht hilft das auch dabei, dem Kater zu suggerieren, dass er gemeint ist.

Kater machen Tricks
Garrus und Wrex führen einen Trick vor.

Erlernen von Tricks

Hat man die Katze nun also an den Clicker gewöhnt, ist es an der Zeit, die neue Clickermacht auch anzuwenden. Relativ einfach ist zu Beginn der Trick „Sitz“, denn früher oder später setzt der Kater sich ja doch hin, wenn man mit einem Leckerli vor ihm steht. Hier muss man nun konsequent sein und möglichst präzise clickern. Unser Wrex setzt sich hin – KLICK!, Leckerli, kein Problem. Garrus dagegen lässt sich ewig Zeit, bis sein pelziges Hinterteil mal tatsächlich den Boden berührt. Wenn man hier schon klickert, bevor er richtig sitzt, trainiert man dem Tier eben das „Pseudositzen“ an. Hier heißt es also geduldig sein – irgendwann sitzt er doch, dann wird geklickert und belohnt.

Ein anderer schöner Trick ist das „High Five“. Das Clickerbuch gibt hier den Tipp, das Leckerli zwischen Ring- und Mittelfinger zu klemmen. Nach einiger Zeit versucht die Katze, das Leckerli mit der Pfote freizubekommen, und sobald die Pfote dann die Hand berührt kann man klickern und belohnen. (Hier würde ich darauf achten, nicht zu klickern, wenn die Krallen ausgefahren sind!) Wrex hat damals denke ich einige Zeit gebraucht, bis er verstanden hat, dass er mit der Pfote ans Leckerli langen soll – aber er kann ja ruhig herumprobieren, solang nicht geklickert wird, wird auch nicht belohnt.

Angeblich freuen sich die Kater nach einiger Zeit auch schon über das Klickgeräusch und die Bestätigung, dass sie etwas richtig gemacht haben.

Viele kompliziertere Tricks können etwas länger dauern – beispielsweise der Katze beizubringen, sich auf Kommando auf ein Kissen oder in die Transportbox zu legen. Hier muss man wirklich sehr inkrementell vorgehen und damit beginnen, schon den Blick in die richtige Richtung zu belohnen. Hat die Katze das verstanden, beginnt man, etwas mehr zu fordern – einen Schritt in die richtige Richtung, das Berühren von Kissen oder Box, etc. Schritt für Schritt lernt die Katze so, was von ihr erwartet wird.

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Die Trainingseinheiten sollten auch nicht zu lange dauern. Bei jeder Sitzung erstmal nur einen Trick zu üben, reicht völlig und überfordert die Katze nicht. (Irgendwann hat sie auch sicher genug Leckerli gefressen.)

Fängt die Katze mittendrin zu miauen an oder beginnt sie, sich zu putzen, ist sie eventuell frustriert, weil sie nicht genug „Clicks“ bekommt und nicht weiß, was von ihr gefordert wird. Hier kann man etwas großzügig sein und wie gesagt, es lohnt sich, kleine Schritte in die richtige Richtung zu belohnen.

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Spaß beim Clickertraining eurer Fellnasen! Wer mag, kann gerne seine Erfahrungen in den Kommentaren kundtun.


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