Wer sich eine Katze zulegt, wird früher oder später am eigenen Leib erfahren, dass Katzen scharfe Krallen haben. Meine Kater sind lieb und süß, lassen sich herumtragen und anfassen, und trotzdem habe ich schon jede Menge Kratzer ertragen müssen. Oft passiert es versehentlich beim Spielen, manchmal fängt ein Kater auf dem Schoß zu kneten an und bohrt einem dabei schön die Krallen ins Bein. Früher ist uns Garrus auch noch öfter auf den Rücken gesprungen, was besonders einmal, als ich nichts ahnend im Schlafanzug auf dem Balkon stand, eine äußerst schmerzhafte Angelegenheit war. Ich hatte mich nämlich gerade in dem Moment wieder aufgerichtet, sodass Garrus keinen Halt fand und dem mit acht ausgefahrenen Krallen entgegenzuwirken versuchte. Das war ein Spaß!

Heute will ich aber mal genauer auf Katzenkrallen eingehen und widme mich vielen Fragen, die sich der eine oder andere vielleicht auch schon mal gestellt hat: Muss man Katzenkrallen schneiden? Und wenn ja, wie? Kann man Krallen entfernen lassen? Und wie verhindert man, dass die Katzen das Sofa zerkratzen?

Katzenkrallen entfernen (Declawing)

Zuallererst möchte ich mal über das komplette Ziehen von Katzenkrallen sprechen. Vielleicht habt ihr schon mal davon gehört. In Amerika nennen sie das „declawing“. Aber was ist Declawing? Beim Declawing, also dem „Entkrallen“ von Katzen, wird diesen das letzte Zehenglied der Kralle amputiert. Dies wird in einigen Ländern gemacht, um Katzen davon abzuhalten, die häusliche Einrichtung zu zerkratzen. In den meisten Ländern gilt es als grausam und ist verboten – auch in Deutschland.

Um das noch mal deutlich zu machen: Da werden den Tieren also die Finger- bzw. Zehenkuppen amputiert, damit das Sofa nicht zerkratzt wird. Ich finde es völlig richtig, dass das in Deutschland verboten ist. Es ist ein großer Eingriff, der den Tieren viele Schmerzen bereitet – und wenn die Operation vorbei ist, können sie auch nichts anderes tun, als auf ihren schmerzenden Stumpfen zu laufen, denn sie müssen ja trotzdem irgendwie zu ihrem Futternapf und zum Katzenklo kommen. Die Tiere entwickeln deshalb offenbar auch sehr oft Folgeprobleme wie Aggressivität, Beißen oder das Pinkeln außerhalb des Katzenklos. Und wer seiner Katze die Zehen amputiert, weil sie an den Möbeln kratzt, der schiebt sie wahrscheinlich ins Tierheim ab, wenn sie ihm dann in die Wohnung pinkelt. Also: Das Entfernen der Katzenkrallen löst eigentlich keine Probleme.

Katzenkrallen schneiden

Sehen wir uns stattdessen das Schneiden von Katzenkrallen an. Neulich habe ich in einem Forum etwas über das Krallenschneiden gelesen, und von mehreren Leuten dort kamen entsetzte Gegenstimmen, wie man denn seiner Katze so was antun kann, und warum man das überhaupt sollte. Deswegen auch die obige Erklärung zum Ziehen von Krallen – das sind unterschiedliche Sachen.

Im Gegensatz zum Entfernen von Krallen ist das Schneiden von Katzenkrallen nicht anders, als wenn man einem Menschen die Fingernägel schneidet. Das tut den Katzen nicht weh, wenn man es richtig macht – sonst würden sie es auch gar nicht tolerieren – und bringt ihnen verschiedene Vorteile.

Wieso sollte man Katzen die Krallen schneiden?

Wohnungskatzen nutzen ihre Krallen nicht so sehr ab wie Freigänger und es kann vorkommen, dass ihre Krallen zu lang werden und einwachsen. Besonders bei übergewichtigen und alten Katzen ist das ein Problem – und zwar ein großes, denn es ist sehr schmerzhaft für die Katzen. Ist so eine Kralle erstmal eingewachsen, kann nur noch der Tierarzt helfen. Wenn die Katze den Flur entlangläuft und dabei klackernde Geräusche macht, ist es an der Zeit, ihre Krallen zu kürzen.

Wie schneidet man einer Katze die Krallen?

Zuerst benötigt man das richtige Werkzeug. Man sollte dafür eine Krallenschere verwenden, da diese abgerundet ist und verhindert, dass die Krallen splittern, was eventuell bei einem normalen Nagelknipser der Fall wäre. Krallenscheren gibt es in jedem Haustierladen oder online, z. B. die von Golden Pets (Amazon-Partnerlink) oder die ganz billige von Trixie (Zooplus-Partnerlink).

Nun wartet man am besten, bis der Kater schön entspannt ist, also z. B. wenn er einem auf dem Schoß sitzt und döst. Dann nimmt man vorsichtig die Pfote, drückt etwas in die Mitte, und schon kommen die Krallen heraus.

Kralle einer Katze mit Markierung, wie man sie schneidet
So schneidet man die Krallen richtig.
(Bildreferenz: User:Howcheng, Cat claw closeup, gedreht und markiert von V. Hoffmann, CC BY-SA 3.0)

Wichtig ist jetzt, dass man nicht zu viel abschneidet. Das Äußere der Krallen und die Enden sind wie Fingernägel, aber weiter innen ist die Kralle durchblutet – wie ein Fingernagel auch. Also sollte man ganz konservativ nur die Spitze abschneiden, denn sonst fließt Blut und die Katze wird einem sicher nachtragen, dass man ihr Schmerzen zugefügt hat. Beim nächsten Schneidversuch ist sie dann sicher nicht mehr so tolerant.

Also, schön vorsichtig schneiden, und danach die Katze streicheln und vielleicht auch belohnen, damit sie den Vorgang immer gut im Gedächtnis behält. Wird die Katze nach ein paar Krallen ungeduldig, kann man es auch erstmal gut sein lassen und am nächsten Tag weitermachen. Katzen schlafen schließlich genug und das nächste Nickerchen auf dem Schoß (oder an einem zugänglichen Ort) ist niemals fern.

Falls sich die Katze generell gegen das Berühren der Pfote wehrt, kann man es auch mit Klickertraining versuchen. Ein Klicker gehört für mich sowieso zu den wichtigen Artikeln, die ein Katzenhalter besitzen sollte. Man trainiert der Katze an, dass der Klicker etwas Gutes ist und berührt die Pfoten dann vorsichtig und klickt/belohnt, bis die Katze merkt, dass es positiv ist, wenn ihre Pfote berührt wird. So kann man sich langsam aber sicher zum Krallenschneiden hocharbeiten.

Wie gesagt, auch wenn die Katze schnell die Geduld verliert – es muss ja nicht alles auf einmal gemacht werden. Notfalls macht man nur ein bis zwei Krallen pro Versuch und hat nach ein paar Tagen auch alle Krallen gekürzt.

Katzenkrallen und das Sofa

Warum das Krallenschneiden wichtig ist, habe ich oben bereits erläutert, aber vielleicht fragt sich der eine oder andere, was man denn nun machen soll, wenn die Krallen ein Problem sind und man sein Tier nicht verstümmeln will. Laut Wikipedia wird das Amputieren von Katzenkrallen (in den wenigen Ländern, in denen es legal ist) in 95% der Fälle durchgeführt, um die Möbel zu schützen.

Wenn die Katze das Sofa zerkratzt – und aus meiner Erfahrung macht sie das liebend gern – dann sollte man nicht die Krallen amputieren sondern sich fragen, wieso sie das denn macht. Sie macht es, um ihre Krallen zu wetzen und um die Ummantelung der Krallen loszuwerden. Diese Umhüllungen kennen Katzenhalter sicher, denn die liegen ständig irgendwo herum – gerne beim Kratzbaum und beim Sofa. Der Grund ist also einfach, dass es in der Natur der Katze liegt, dass sie Sachen zerkratzen muss, um ihre alten Krallenhüllen loszuwerden.

Das Schöne an einem Sofa ist nun, dass es sehr stabil ist und sich je nach Material auch wunderbar zum Kratzen eignet. Garrus hangelt sich noch dazu gerne mit seinen Krallen ganz unten am Sofa entlang – das Sofa ist stabil und bewegt sich keinen Zentimeter. Kratzbäume sind dagegen oft wackelig, das mögen Katzen nicht so. Hier empfiehlt sich also – um der Katze eine schöne Alternative zum Sofa zu bieten – ein möglichst stabiler Kratzbaum der nicht wackelt. Im Idealfall ist er auch groß und durchgängig, sodass die Katzen sich dagegenstrecken können. Es gibt auch Kratzmatten (Partnerlink), die man an die Wand montieren kann – so sind sie auch schön stabil und die Katze kann sich danach ausstrecken. (Allerdings halten die angeblich nur 6 Monate.) Wir haben so eine Matte auch gekauft, letztendlich haben wir sie aber nicht montiert, weil wir uns nicht entscheiden konnten, an welches Eck sie soll. Und dann gibt es noch Katzen, die gerne den Teppich zerkratzen – für die gibt es Sisalteppiche (Partnerlink), an die man sie stattdessen gewöhnen kann.

Kratzt die Katze nun am Sofa, sollte man sie nicht bestrafen, mit Wasser bespritzen oder ihr sonst irgendwelche Gemeinheiten antun, denn wenn man Katzen etwas beibringen will, muss man das über Belohnungen tun. Man ignoriert das negative Verhalten und belohnt das positive Verhalten. Kratzt die Katze am Kratzbaum, streichelt man sie oder gibt ihr ein Leckerli oder benutzt seinen Klicker und belohnt sie dann. Man kann auch versuchen, sie, wenn sie am Sofa kratzt, vor den Kratzbaum zu setzen und selbst etwas daran zu kratzen, um sie zu motivieren. Aber alles immer schön sanft und ohne zu schimpfen. So soll die Katze merken, dass der Kratzbaum gut ist und dass es positiv ist, wenn sie daran kratzt.

Sticky Paws

Wenn die Katze trotzdem lieber das Sofa zum Kratzen nutzt, kann man dieses für die Katze einfach entsprechend unattraktiver machen, entweder durch Abdecken oder durch Anbringen von Alufolie oder durch Klebestreifen. Es gibt zweiseitig klebende Streifen, Sticky Paws (Partnerlink) nennt sich das, die kann man ans Sofa kleben, damit die Katze nicht mehr dran kratzen mag. Hat sie sich das Kratzen am Sofa dann ab- und das Kratzen am Kratzbaum angewöhnt, gehen die Klebstreifen von Sticky Paws auch wieder rückstandslos ab. Ich habe sie zeitweise selbst am Sofa eingesetzt und vor Kurzem auch, um meine Kater an ihren Futterautomaten zu gewöhnen, und ich habe mit beidem sehr gute Erfahrungen gemacht. Diese Sticky Paws sind allerdings etwas teuer dafür, dass es im Endeffekt nur doppelseitiges Klebeband ist. (Beim Futterautomat fand ich normale doppelseitige Klebstreifen außerdem besser, aber die gehen von Plastik eher wieder problemlos ab als vom Sofa.)

Krallenkappen

Eine letzte Möglichkeit gibt es noch, die Katzen vom Kratzen abzuhalten – aber die sollte man wirklich nur im Notfall einsetzen. Es gibt nämlich Krallenkappen aus Kunststoff, die man den Katzen aufkleben kann. Klingt albern und sieht auch albern aus, geht auf Dauer auch sicher ins Geld, da die aufgeklebten Krallenkappen nach ein paar Wochen von selbst wieder abfallen. Offenbar kommt es auch sehr auf die jeweilige Katze an, ob sie diese Krallendeckel akzeptiert oder nicht. Sie wird dadurch natürlich eingeschränkt, denn mit Plastikkrallen kann sie nicht mehr richtig Klettern – und verteidigen kann sie sich auch nicht mehr.

Katze mit Krallenkappen
Katze mit Krallenkappen
(Bildreferenz: myllissa from Seoul, S. Korea, Myllissa-Oscar the tabby cat with red paws nail covers-01, CC BY-SA 2.0)

So oder so würde ich es eher mit einem stabilen Kratzbaum und einem zeitweise verklebten Sofa probieren, bevor ich meiner Katze Krallenkappen ankleben würde. Die würde ich eher in Betracht ziehen, wenn die Katze einen Ausschlag oder sonst eine Krankheit hat, und ich vermeiden wollen würde, dass sie sich blutig kratzt. (Das ist nämlich offenbar der andere Einsatzbereich von solchen Krallenkappen.)

So, damit haben wir das Thema Krallenschneiden bei Katzen denke ich restlos abgehandelt. Weitere Fragen und Anregungen nehme ich aber jederzeit gerne entgegen!

Bitte fleißig weitersagen!
Kategorien: Katze generell

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