Die Entscheidung ist gefallen: Eine Katze soll ins Haus! Doch nun steht man unweigerlich vor der Frage, ob man sich eine Katze vom Züchter kaufen, oder doch lieber ein Tierchen aus dem Tierheim oder von privat adoptieren soll. Beides hat Vor- und Nachteile und verursacht unterschiedliche Kosten. (Wer sich für die laufenden Kosten von Katzen interessiert siehe auch Was kostet eine Katze?) Sehen wir uns die verschiedenen Fälle doch mal genauer an.

Das Tierheim

In fast jedem größeren Ort gibt es mindestens ein Tierheim, in dem Katzen, Hunde, Meerschweinchen, Hasen und so weiter auf ein neues Zuhause warten. Die meisten Tierheime finanzieren sich durch Spenden. Oft sind Tierheime Vereine, sie erhalten also Mitgliederbeiträge und haben ehrenamtliche Helfer, die sich um die Tiere kümmern. Tierheime nehmen ausgesetzte und aufgefundene Tiere auf, also Tiere ohne Halter. Muss ein Halter sein Tier aus dringenden Gründen abgeben, kümmern sie sich auch darum, verlangen aber eine sogenannte Abgabegebühr. Das Aussetzen von Tieren ist nach dem deutschen Tierschutzgesetz §3 Absatz 3 verboten und wer dabei erwischt wird, dem kann ein Bußgeld bis zu 25.000 € auferlegt werden. Wird ein Tier aus einem Tierheim vermittelt, muss der neue Halter eine Schutzgebühr bezahlen, die dem Tierheim zugutekommt. Die Schutzgebühren unterscheiden sich je nach Tierheim und Tierart – für Katzen muss man mit allem von 80 € bis 200 € rechnen. Auf die Schutzgebühr komme ich gleich noch mal zu sprechen.

Der Tierschutzverein

Neben typischen Tierheimen gibt es noch jede Menge andere Vereine, die sich mit streunenden Katzen auseinandersetzen. In vielen Ländern ist der Tierschutz nicht so weit verbreitet oder einfach stark unterfinanziert. In Griechenland gibt es beispielsweise streunende Katzen ohne Ende – so haben wir es zumindest auf Rhodos erlebt. Sicher hat so eine Katze kein ganz schlechtes Leben, wenn sie auf so einer angenehm warmen Insel frei herumlaufen kann – das würde unseren Katern sicher auch gefallen! Aber die Katzen vermehren sich unkontrolliert, es gibt zu viele, sie müssen auch irgendwas essen und wenn sie krank werden oder sich verletzen, ist nicht automatisch jemand da, der sie versorgen kann.

An solchen Orten gibt es dann oft Tierfreunde, die sich der Tiere annehmen. In Rhodos und Fuerteventura gibt es zum Beispiel flying cats e. V., aber wer im Internet sucht, findet in vielen weiteren Ländern derartige Vereine. Einmal im Jahr gibt es eine große Aktion, bei der flying cats möglichst viele streunende Katzen kastriert oder sterilisiert. Kranke Katzen werden gepflegt und manche werden vermittelt – auch nach Deutschland. Dafür werden regelmäßig Flugpaten gesucht, denn viele Fluglinien erlauben eine Katze „im Gepäck“ – so kann man als Urlaubsreisender eine Katze zu ihrem neuen Zuhause in Deutschland mitnehmen.

Katzenbaby mit verdreckten Augen
Krankes Katzenbaby in Rhodos

Als wir in Rhodos waren, haben wir ein kleines vernachlässigtes Katzenbaby gefunden. Man musste es genau genommen nicht finden, denn es lief wie andere Katzen einfach draußen herum. Es war aber noch sehr klein und dazu verwahrlost und allein. Wenn es zu älteren Katzen ging, wurde es angefaucht. Wir haben ihm etwas Wasser gegeben und dann flying cats im Internet gefunden, haben ihnen Fotos geschickt und erklärt, wo das Katzenbaby zu finden ist. Sie haben es dann tatsächlich gesucht und gefunden und medizinisch versorgt und entwurmt, bevor sie es wieder freigelassen haben. Ich war sehr begeistert von denen und wenn wir nicht schon zwei Kater daheim gehabt hätten, hätten wir das griechische Katzenkind gerne adoptiert.

Auch bei solchen Tierschutzvereinen wird eine Schutzgebühr erhoben und zumindest bei flying cats ist es auch so geregelt, dass sich jemand das neue Zuhause ansieht, bevor die Katze vermittelt wird.

Der Züchter

Ich habe selbst noch nie eine Katze beim Züchter gekauft; ich finde, es gibt zu viele Tiere im Tierheim, die ein neues Zuhause brauchen, als dass man neue züchten müsste. Andererseits züchten gute Züchter aus Überzeugung, um eine bestimmte Rasse zu erhalten. Ich rede hier natürlich nur von den guten Züchtern, denen das Tierwohl am Herzen liegt. Dass es auch schlechte Züchter gibt, die vor allem Interesse an Profit haben, sollte jedem klar sein und von denen sollte man sich fernhalten. Gute Züchter sind Mitglied in einem Züchterverein, geben Katzenbabys erst nach der 12. Lebenswoche her und beantworten alle Fragen, die der neue Halter hat. Sie sind also seriös.

Wenn Tierzucht ernsthaft betrieben wird, ist sie ein teures Hobby und die Preise für Rassekatzen liegen normalerweise weit über den Kosten für eine Schutzgebühr – zwischen 300 € und 1.200 € ist dabei offenbar eine normale Preisspanne, je nach gewünschter Rasse. Bei seltenen Rassen gibt es sogar Wartelisten – und auch, wenn der Züchter das neue Zuhause nicht zwangsweise besichtigen möchte, wird er sicher trotzdem viele Fragen stellen und den neuen Halter vor dem Verkauf kennenlernen wollen.

Der Bekannte

Hier soll auch die Adoption von Katzen aus dem Bekanntenkreis nicht unerwähnt bleiben. Manchmal ändern sich die Umstände und man muss seine Katze aufgeben. Das ist traurig aber kommt vor. Wenn in solchen Fällen jemand im Bekanntenkreis ein neues Zuhause anbieten kann, ist das natürlich eine fantastische Sache. Man kann die Katze vorher kennenlernen, vielleicht kennt man sie sogar schon, man weiß, was sie für Eigenheiten hat, vielleicht kann der frühere Besitzer sie auch mal besuchen kommen. Und wenn sich die Lebensumstände geändert haben, erhält man vielleicht sogar das ganze Katzenzubehör – Kratzbaum, Tragekorb, Spielsachen, Lieblingsdecke (siehe: Artikel für die Katz) kostenlos dazu.

Allerdings kommt es auch oft vor, dass jemand im Bekanntenkreis plötzlich Katzenbabys hat und nicht weiß, wohin damit. Ich persönlich finde es ziemlich unverantwortlich, wenn jemand seine unsterilisierte Katze oder seinen unkastrierten Kater auf die Welt loslässt. Wie gesagt, die Tierheime sind voll mit Katzen, die ein Zuhause brauchen. Aber passiert ist passiert und die Katzenbabys können ja am allerwenigsten dafür, dass sie geboren wurden. Hier ist ebenfalls wichtig, dass die Katzen in den ersten 12. Wochen mit ihren Geschwistern bei der Katzenmama bleiben dürfen.

Unsere Stubentiger Wrex und Garrus sind ebenfalls über einen Arbeitskollegen zu uns gekommen, der offenbar nicht gedacht hätte, dass es unkastrierte Kater in seiner Umgebung gibt. So brachte seine Katze eines schönen Tages fünf Katzenbabys zur Welt, für die er händeringend nach Abnehmern gesucht hat. Wir hatten kurz davor schon mal beim Tierheim angefragt, was sie für Katzen haben, die sie vermitteln möchten, aber sie hatten gerade nicht sehr viele – wir wollten zwei, damit sich eine allein nicht langweilt. Ein weiteres Problem war damals, dass unser Balkon nicht abgesichert war, da eine Balkonsanierung bevorstand. Wir wollten unseren Balkon nicht vor der Sanierung absichern (die sich dann immer weiter verzögerte), das Tierheim dagegen wollte natürlich trotzdem einen abgesicherten Balkon sehen. Als dann der Kollege mit seinen Katzenbabys dastand, haben wir uns letztendlich nach einigen Zweifeln und Gewissensbissen für diese entschieden. (Auf den Balkon durften sie erst, als er nach der Sanierung endlich abgesichert war!) Der Arbeitskollege hat seine Katze inzwischen sterilisiert.

Warum muss man eine Schutzgebühr zahlen?

Eine Schutzgebühr oder Übereignungsgebühr dient zum einen dazu, das „spontane Mitnehmen“ von Tieren zu verhindern. Jeder sollte sich gut überlegen, ob er sich ein Tier ins Haus holen möchte – mit all den Kosten und Umständen, die das mit sich bringt (siehe auch Katze zulegen – ja oder nein?). Tiere sind keine Gegenstände und der Umzug in eine neue Wohnung ist für sie sicher eine große Belastung. Das will man dem Tier nicht antun, wenn der neue Besitzer eine „Schau mer mal“-Mentalität hat und sich dann nach ein paar Tagen überlegt, dass er vielleicht doch lieber kein Haustier hätte. (Die Schutzgebühr bekommt er dann übrigens nicht zurück.)

Zum anderen wird über die Schutzgebühr ein Teil der Kosten gedeckt, die das Tierheim durch das Tier hatte. Tiere aus dem Tierheim sind normalerweise schon geimpft, kastriert, entwurmt und gechipt, wenn man sie adoptiert. Das ist nicht ganz billig. Für jeden Tag, den die Katze im Tierheim verbringt, fallen zusätzliche Kosten für Streu und Futter an. Manche Katzen kommen krank oder verletzt ins Tierheim, dann muss das Tierheim eventuell für Operationen und Medikamente aufkommen. All das wird durch eine Schutzgebühr nicht gedeckt, aber ein Teil der Kosten wird aufgefangen.

Ich finde, man hat als Außenstehender keine rechte Vorstellung von den Kosten, die ein Tierheim verursacht, und ich war ziemlich überrascht bei der Recherche für diesen Artikel, wie hoch diese tatsächlich sind – was kann schon etwas Futter und Streu kosten? – deshalb noch ein paar Worte dazu: Das Tierheim in Paderborn gibt auf seiner Webseite die monatlichen Kosten des Tierheims im Jahr 2013 mit 29.200 € an, mit 35.000 € erwarteten Kosten pro Monat in den darauffolgenden Jahren. Sie haben laut Webseite ca. 140 Katzen und 30 Hunde. Das Tierheim Dorf Mecklenburg benötigt 10.000 € pro Monat. Das Tierheim Emmendingen schreibt auf seiner Webseite von 16.000 € pro Monat. Zum Vergleich: Der Mitgliederbeitrag für einen Tierheimsverein scheint bei 30 € im Jahr zu liegen. Man kann sich ja selbst ausrechnen, wie viele Mitglieder ein Tierheim bräuchte, um damit die Kosten zu decken.

Katze auf abgesichertem Balkon
Ein abgesicherter Balkon ist wichtig.

Wohnungsbesichtigung und Vorkontrolle

Es gibt Tierheime, die wollen das neue Zuhause der Katze besichtigen, bevor sie diese vermitteln. Manche wollen eine Bestätigung, dass der Vermieter Katzen erlaubt. Das ist für viele vielleicht ein Moment, in dem sie denken: „Moment mal, ich will das Tier adoptieren, ich tue doch EUCH einen Gefallen – warum macht ihr es mir so schwer?“ Hier sollte man sich mal in die Schuhe des Vermittlers versetzen. Die Tiere sind schutzbedürftig und man möchte sich sicher sein, dass sie es im neuen Zuhause gut haben. Sie sollen nicht in die verdreckte Wohnung eines Tiersammlers geraten oder in einem gefährlichen Umfeld ums Leben kommen – z. B. indem sie aus dem 8. Stock von einem nicht abgesicherten Balkon in den Tod stürzen. Auch soll keiner ein Katzenbaby adoptieren, um es an seine Schlange zu verfüttern. Meines Erachtens ist das durchaus nachvollziehbar.

Die Handhabung ist von Tierheim zu Tierheim allerdings unterschiedlich. Besucht doch einfach mal euer Tierheim vor Ort und fragt, wie das dort abläuft. Dann könnt ihr gleich eine Spende dort lassen.

Kitten vs. ältere Katzen

Jeder sollte sich gut überlegen, wie alt der neue tierische Mitbewohner in etwa sein soll. Junge Katzen sind energetisch und brauche mehr Aufmerksamkeit und Unterhaltung als alte Katzen, bei denen der Spieltrieb schon nachgelassen hat. Katzenbabys brauchen extrem viel Aufmerksamkeit und machen allerlei Unsinn. Sie sind sicher unheimlich süß, aber man darf den Arbeitsaufwand auch nicht unterschätzen. Auch muss man sich überlegen, wie lange man eine Katze haben möchte; Wohnungskatzen werden im Schnitt 15 Jahre alt, vereinzelt werden sie sogar 20. Wer sich mit 20 Jahren ein Katzenbaby ins Haus holt, hat die Katze vielleicht auch mit Ende 30 noch. Das ist eine große Verantwortung. Tierheime haben Katzen in jedem Alter, beim Züchter bekommt man eher ganz junge Katzenbabys.

Persönlichkeit

Wer sich ein Katzenbaby in die Wohnung holt, weiß in der Regel gar nicht, wie das Tier mal ist, wenn es erwachsen ist. Das ist logisch und auch nicht unbedingt etwas Schlechtes – ich finde es zum Beispiel äußerst faszinierend zu sehen, wie Wrex und Garrus sich entwickelt haben, wie sich ihre Persönlichkeiten im Laufe der Zeit herausgebildet haben. Wrex ist ein strammer junger Mann, der die schönen Dinge des Lebens liebt – hauptsächlich Schlafen, Essen und Kuscheln. Garrus dagegen ist ein Clown, ein neugieriger Abenteurer voller Energie, der es sich gerne in Höhlen gemütlich macht. Es hat auf jeden Fall einen gewissen Reiz, so eine Entwicklung selbst zu erleben.

Bei älteren Katzen ist dagegen schon einigermaßen klar, wie sich diese verhalten. Mögen sie Hunde? Mögen sie ihre Artgenossen? Habe sie Angst vor Menschen? Haben sie einen besten Freund, der gleich mitadoptiert werden kann? Lassen sie sich gerne den Bauch kraulen oder können sie es gar nicht ausstehen, angefasst zu werden? Diese Dinge schon vorher zu wissen, kann durchaus ein Vorteil sein, denn so kauft man nicht „die Katze im Sack“ (hihi, das musste jetzt sein!).

Pro und Kontra

Sehen wir uns nun die vorgestellten Möglichkeiten, an eine Katze zu kommen, im Vergleich an.

Tierheim/Tierschutzverein

Pro

  • Heimkatze bekommt ein neues Zuhause bzw. Katzenadoption hilft gegen „Übervölkerung“ anderswo
  • Katze ist bereits entwurmt, entfloht, gechipt, medizinisch versorgt
  • Persönlichkeit der Katze ist meist schon bekannt
  • auch ältere Katzen sind zu haben
  • Anschaffungskosten relativ gering

Kontra

  • Rassekatzen sind seltener zu haben
  • evtl. Wohnungsbesichtigung oder Vorkontrolle

Züchter

Pro

  • Katze ist bereits entwurmt, entfloht, gechipt, medizinisch versorgt
  • Katzenstammbaum und evtl. Erbkrankheiten oder Anfälligkeiten schon bekannt
  • Rassekatzen
  • Ansprechpartner bei Fragen

Kontra

  • normalerweise nur junge Katzen zum Verkauf
  • relativ teuer
  • Heimkatze bleibt im Heim

Bekannter

Pro

  • günstig bis kostenlos
  • keine Wohnungsbesichtigung oder Vorkontrolle
  • bei älteren Katzen: Katze ist bekannt, eventuell bekommt man auch gleiche eine Menge Katzenspielzeug mit dazu

Kontra

  • bei Kitten: Unterstützen des unvernünftigen Katzenhalters, der seine Katze nicht sterilisiert hat
  • Heimkatze bleibt im Heim

Ich hoffe, die Übersicht hilft dem einen oder anderen weiter – so oder so sollte man sich auf jeden Fall gut vorher überlegen, ob man sich eine Katze anschaffen möchte. Wer genauer wissen möchte, was mit einer Katze auf ihn zukommt, kann sich noch meine Artikel Katze zulegen – ja oder nein? und Was kostet eine Katze? durchlesen.

Bitte fleißig weitersagen!
Kategorien: Katze generell

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